zwei U3 Kinder

„Wir wollten wissen, warum der Mond immer anders aussieht …“

entnommen aus der Zeitschrift „Betrifft Kinder“ (Heft 4/5)

05.07.2009 Kommentare (0)

Teresa Vasconcelos, Nuno Melo, Maria Olivia Mendes und Catarina Cardoso forschen mit Kindern nach der Projektmethode

Die natürliche Neugier der Kinder und ihr Wunsch, etwas zu erfahren, sind Ausdruck des Bestrebens, zu verstehen und der Welt Sinn zu verleihen - was charakteristisch für die Menschen ist und zu den am höchsten entwickelten Formen des logischen Denkens führt, zur Entwicklung der Wissenschaften, der Technik und auch der Künste. Das Wissen von der Welt wurzelt tief in der natürlichen Neugier der Kinder und ihrem Wunsch, die Welt zu kennen und zu verstehen. (Portugiesische Lehrplan-Richtlinien für die Vorschulbildung)

Die Wissenschaft zählt

Der wichtigste Grund, die Wissenschaften in die frühkindliche Bildung einzubeziehen, ist: Die Kinder lieben sie. Sie sind sehr neugierig und haben den dringenden Wunsch, ja sogar das Bedürfnis, die Welt, die sie umgibt, zu erkunden und zu verstehen. Wie Conezio und French beobachtet haben, sind „Kinder biologisch bereit, etwas über die Welt ringsum zu lernen - ebenso wie sie biologisch bereit sind, zu laufen und zu sprechen und mit anderen Menschen in Interaktion zu treten“. Die Wissenschaften reagieren auf dieses Bedürfnis; sie fördern die Neugier der Kinder und regen sie an, indem sie den Weg bahnen, neue Dinge zu entdecken und zu erkunden. Es ist die Aufgabe der Erzieherinnen und Erzieher, das Potenzial der Kinder in diesem frühen Alter zu nutzen, indem sie die Umgebung der Kinder so gestalten, dass sie in ihren täglichen Aktivitäten wissenschaftliche Methoden anwenden können.

Eine wissenschaftliche Methodik in die frühkindliche Bildung einzubeziehen führt dazu, dass die Kinder sich wichtiges Grundwissen aneignen können: Sie entdecken, dass Pflanzen aus Samen wachsen, dass einige Gegenstände auf dem Wasser schwimmen, was andere nicht tun, dass der Mond das Sonnenlicht reflektiert. Aber die Wissenschaften bieten den Kindern noch viel mehr als eine Menge Wissen. Wissenschaft ist auch ein Weg zum logischen Denken und zu Entdeckungen - über die Entwicklung von Fähigkeiten wie fragen, beobachten, vergleichen, Ergebnisse voraussagen, sie reflektieren und sie anderen mitteilen. Das sind wichtige intellektuelle Fähigkeiten, die nicht auf die Naturwissenschaften beschränkt sind, sondern komplexes Lernen allgemein möglich machen.

Der Kontakt mit der Wissenschaft ermöglicht aber auch die Entwicklung von Charakterzügen wie Kooperation, eine kritische Einstellung, Ausdauer, Respekt vor anderen und vor der lebendigen Welt, was für die persönliche und soziale Entwicklung entscheidend ist. Nicht zuletzt sind die Naturwissenschaften wichtig, um andere Wissensgebiete wie Sprachen, Mathematik und Ausdruck zu entwickeln.

Die Projektmethode

Im letzten Jahr ihrer Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern für die frühe Kindheit hat die Escola Superior de Educacao de Lisboa (ESELx) ein Modul eingerichtet, das vor dem Unterrichtspraktikum und während dieser Zeit stattfindet: Interdisziplinäres Projekt / Integrierte Methodik (Projecto Interdisciplinar / Metodologias Integradas). Das Projekt bringt Studentinnen und Studenten, kooperierende Lehrer, die für die Supervision da sind, Praktikumssupervisoren und andere Ausbilder unterschiedlicher Disziplinen zusammen. Ziel ist, was Lilian Katz die Projektmethode bei Kindern nennt. Das Ausbildungsmodul wird von Teresa Vasconcelos koordiniert, einer Ausbilderin von Lehrern, die sich - obwohl sie Generalistin ist - mit der Projektmethode und deren Anwendung im Curriculum für die frühkindliche Bildung gut auskennt.

Das zugrunde liegende Ziel ist die Entwicklung von Ausbildern in den inhaltlichen Bereichen des Curriculums und ihren Kompetenzbereichen durch Projekte mit Kindern, die Teil des Ausbildungspraktikums sind. Diese Projekte mobilisieren viele Disziplinen und bringen sowohl spezialisierte Ausbilder von Lehrerinnen und Lehrern als auch Lehrerstudenten dazu, die Bedeutung der interdisziplinären Projektmethode in der frühkindlichen Bildung anzuerkennen. Aber es gibt auch noch andere Ziele, beispielsweise den Status der Praktika als wesentlichen Teil des professionellen Lernens neu zu überdenken und die Beteiligung der Kindergärten durch spezialisierte Ausbilder in Sprachen, Mathematik, Wissenschaften und Künsten zu verbessern.

Mit der Projektmethode versuchen wir, mit Kindern und Erwachsenen näher an John Deweys „Spiralen“-Metapher heranzukommen:

„...es ist Teil der Verantwortung der Lehrer, gleichermaßen zwei Dinge zu sehen: Zum einen, dass sich das Problem aus den Erfahrungen in der Gegenwart ergibt und in der Kapazitätsspanne der Studenten liegt; und zweitens dass es im Lernenden den aktiven Drang nach neuen Informationen und der Produktion neuer Ideen erweckt. Die neuen Kenntnisse und neuen Ideen werden so zur Basis weiterer Erfahrungen. Im Laufe dessen ergeben sich wieder neue Probleme. Dieser Prozess ist eine fortlaufende Spirale.“

Die Projektmethode in der Praxis

Ein Projekt, das in einem Kindergarten in einem sozial benachteiligten Gebiet Lissabons entwickelt wurde, entstand aus der Frage eines Kindes: „Warum gibt es verschiedene Phasen auf dem Mond?“ Die Kinder zwischen drei und fünf Jahren aßen eine Kleinigkeit und ein Kind sagte (nach der Erzählung der Studentin Catarina, die Co-Autorin dieses Artikels ist): „Dieser Keks sieht aus wie der Mond.“ Ein anderes fügte hinzu: „Ein Keks, der in zwei Teile zerbrochen ist, sieht auch aus wie der Mond.“ Ein drittes ergänzte: „Wenn der Mond zerbrochen ist, sieht er manchmal aus wie eine Banane.“
Catarina sah die Chance für die Kinder, die verschiedenen Mondphasen zu erforschen und die kooperierende Lehrerin (Maria Olivia Mendes) unterstützte das Vorhaben:

„Die Studentin ist für die Vorschule eine wertvolle Ressource, und es ist wichtig, dass sie weiß, dass ihr Einsatz bedeutende Veränderungen in dieser Umgebung bewirken wird.“

Das Projekt wurde von einem Ausbilder in Naturwissenschaften an der ESELx unterstützt. Die Kindern erklärten: „Wir haben einen Wissenschaftler von ESELx eingeladen. Wir wollten den Grund wissen, warum der Mond immer anders aussieht ...“
Der Wissenschaftler half den Kindern, den Mondmonat zu verstehen und bereitete die Simulierung der Mondphasen vor, so dass die Kinder die Stellung des Mondes gegenüber der Sonne und der Erde verstehen konnten.

Sie bauten auch einen Astronauten. Nachdem die Kinder gesagt hatten, dass „der Mann die Dinge zum Atmen trägt, die wie ein Rucksack aussehen“, verstanden sie, dass man „eine Sauerstoffflasche braucht, um auf den Mond herumzulaufen (...), weil es auf dem Mond keine Luft gibt“. Familien beteiligten sich am Projekt: „Der Vater eines kleinen Jungen sagte uns, dass es einen Mondfisch gibt“ (auf Portugiesisch peixe-lua), sagte eines der Kinder. Die Kinder stellten eine Powerpointshow her, um den Familien das Projekt vorzustellen - anstelle der üblichen langweiligen Veranstaltungen am Ende des Schuljahrs. Sie zeigten Ozeanien auf der Weltkarte, wo der Mondfisch lebt, und demonstrierten „meia-lua“ (Halbmond), eine Stellung im Capoeira, einem Tanz, der aus Afrika kommt und in ihrer Nachbarschaft sehr beliebt ist. Die Eltern waren beeindruckt vom „multiplen Lernen“ der Kinder.

Die Kinder, die Studenten, die kooperierenden Lehrer, die Familien - alle erwarben im Laufe des Projekts tieferes Wissen. Die Lehrerstudenten konnten der Vorschule wieder etwas anderes anbieten, ihr Engagement vermittelte der Einrichtung neue Energie und löste große Veränderungen aus. Wir würden gern den folgenden Kommentar des ESELx-Dozenten für Naturwissenschaften unterstreichen:

„Ich hätte nie geglaubt, dass Kinder sich so in wissenschaftliche Forschung vertiefen können.“ Wichtig ist auch, was später einer seiner Kollegen während einer systematischeren Evaluierung des Moduls feststellte: „Nach meiner Teilnahme an dem Projekt verstehe ich jetzt Inhalte und Arbeitsweisen besser - und ebenso die besten Strategien für die Methodenkurse, die ich in den vergangenen Jahren unterricht habe.“

Die Projektmethode hat die Entwicklung der Kinder, Ausbilder und Eltern gestärkt. Die Ausbilder haben selbst etwas im interdisziplinären Kontext gelernt.

„Lerngemeinschaften“ wurden eingerichtet, in denen, wenn man sich an die Worte von Roland Barthes erinnert, „Interdisziplinarität ein neues Thema ist, das noch nicht allen vertraut ist“.

Teresa Vasconcelos und Nuno Melo sind ESELx-Dozenten, Maria Olivia Mendes ist eine der kooperierenden Lehrerinnen und Catarina Cardoso ist graduierte Pädagogikstudentin.
Mehr Informationen: Vasconcelos, T. (2007): „Using the project approach in a teacher education practicum“, Early Childhood Research and Practice, Band 9, Nr. 2

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