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Rückkehr zum Regelbetrieb: Schutz als Grundvoraussetzung

komba gewerkschaft

12.08.2020 | Fachkommentar Kommentare (0)

Die zurückliegenden Wochen und Monate waren und sind geprägt von Dynamik, Einschnitten, Herausforderungen, Unsicherheiten, Improvisation und dem Betreten von Neuland. Das alles betrifft in besonderem Maße Bildungseinrichtungen wie die zahlreichen Kindertagesstätten. Eindrücke der letzten Wochen aus Sicht der komba gewerkschaft. 

Chronologisch betrachtet sind die vergangenen Monate mit der Corona-Pandemie in den Kindertagesstätten klar in Abschnitte zu unterteilen. Wenngleich die Begrifflichkeiten je nach Bundesland durchaus unterschiedlich gewählt wurden, sind die Stufen im Wesentlichen identisch: Regelbetrieb – Lockdown mit unterschiedlicher Ausgestaltung der Notbetreuung – erweiterte Notbetreuung – eingeschränkter Regelbetrieb. Nächster Schritt: Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen.

Herausforderungen rund um Corona 

Was so deutlich als ein Stufenplan benannt werden kann, ist in Wahrheit ein Kraftakt. Hinter jeder dieser Phasen verbergen sich große Herausforderungen hinsichtlich Planung und Durchführung des pädagogischen Ablaufs. Binnen kürzester Zeit galt und gilt es, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen. 

Im Übergang von Notbetreuung zum eingeschränkten Regelbetrieb mussten beispielsweise, unter Berücksichtigung der geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen, Konzepte wie die der offenen Arbeit festen Gruppen weichen. Zudem wurde die Bewegungsfreiheit der Kinder in den Einrichtungen eingeschränkt, um Kontakte außerhalb der sogenannten Stammgruppen zu vermeiden. Auch die Außenanlagen wurden unterteilt, um das Zusammenspielen von Kindern aus verschiedenen Gruppen auszuschließen. Darüber hinaus hat sich der Kontakt zu den Eltern in der Zeit gewandelt. Durch die Vorgaben sind die klassischen Bring- und Abholrituale, die häufig für einen kurzen Austausch genutzt wurden, weggefallen. Insgesamt lässt sich festhalten, dass Corona eine mehr als ungewohnte Situation für alle Personen im Kita-Umfeld darstellt, besonders aber zweifelsohne für Kinder und Beschäftigte.

Neuerungen vollzogen sich innerhalb weniger Tage und die Erzieherinnen und Erzieher mussten sich immer wieder sehr kurzfristig auf neue Gegebenheiten einstellen bzw. Verordnungen schnell umsetzen. Dabei wurden besonders die Kita-Leitungen allzu oft mit den Entscheidungen alleine gelassen und in einzelnen Bundesländern nicht ausreichend von Politik und Trägern mit klaren Handlungsempfehlungen und Leitfäden unterstützt. Die Fragen der Leitungen galten nicht nur der räumlichen Situation, sondern natürlich der Rückkehr der Kinder. An dieser Stelle wurde wiederholt der deutliche Ermessensspielraum je nach Bundesland sichtbar. Auf den Leitungen lag oftmals eine große Last bei der Entscheidung, wer letztlich zurück in die Kita darf. Hinsichtlich der personellen Ausstattung galt es die Frage zu beantworten, wer aus dem Kreis der Erzieherinnen und Erzieher arbeiten kann und darf. 

Sicherheit und Schutz für die Beschäftigten

Dieser Frage schließt unmittelbar die Problematik an, wie mit Risikogruppen umzugehen ist. Zuerst wurden Personen, die nach Definition des Robert Koch Instituts der Risikogruppe zugehörig waren nicht eingesetzt. Viele von ihnen haben aus dem Homeoffice heraus gearbeitet und regelmäßig Kontakt zu den Kindern außerhalb der Notbetreuung aufgenommen oder übernahmen Verwaltungsaufgaben.

Die stetig erweitere Notbetreuung und der darauffolgende eingeschränkte Regelbetrieb ging mit einer neuen Definition der Risikogruppen einher. Viel Unsicherheit der Beschäftigten charakterisierten diese Phase. Denn von dort an musste eine arbeitsmedizinische Untersuchung über die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe entscheiden. Eine einheitliche Vorgehensweise suchte man vergebens. Es gab häufig sogar unterschiedliche Handhabungen je nach Träger der Einrichtungen. Manche Beschäftigten mussten daher umgehend zurück an den Arbeitsplatz, andere wiederum blieben bis zur Vorlage des ärztlichen Gutachtens der Kita fern. In diesem Zusammenhang hätte die komba gewerkschaft Hilfestellungen und einheitliche Vorgaben zum Wohle der Beschäftigten erwartet, um die ohnehin besondere Situation nicht noch unnötig zu erschweren. 

Auch für alle übrigen Beschäftigten mussten und müssen nach wie vor Schutz und Sicherheit gewährleistet werden. Es gab und gibt ebenfalls noch keine einheitliche Vorgehensweise, was die Bereitstellung von Schutzausrüstung oder das Tragen von Mund-Nasen-Schutz betrifft. In besonderem Maße müssen die Beschäftigten bislang den Spagat zwischen der Sorge um eine eigene Infektion und dem Wissen, dass es schwierig ist, mit der Bedeckung pädagogisch zu arbeiten, meistern. 

Die wesentlichen Hygienemaßnahmen bleiben im geplanten Regelbetrieb, soweit bislang bekannt, nach den Sommerferien und Schließzeiten der Kitas unverändert gültig. Hinzu kommt beispielsweise die in Nordrhein-Westfalen beschlossene regelmäßige, kostenfreie Testmöglichkeit auf Corona für einen bislang klar definierten Zeitraum. Der Wunsch nach Tests, der aus den Reihen der komba-Mitglieder immer wieder gefordert wurde, ist ein probates Mittel, um den Beschäftigten eine gewisse Sicherheit zu vermitteln. Wünschenswert wäre eine bundesweit einheitliche Regelung, da auch hier unterschiedlich vorgegangen wird und dies bei den Beschäftigten mit Blick über die jeweilige Landesgrenze hinweg für Unverständnis sorgt.

Ein anderes Themengebiet betrifft den Umgang mit Krankheitssymptomen bei Kindern. Dieser ist seit jeher eine große Herausforderung. Die Corona-Pandemie hat die Lage nochmals verschärft. Die komba gewerkschaft spricht sich daher in der aktuellen Situation für eine Ausweitung der jährlichen Krankheitstage, die Eltern bei Krankheit ihrer Kinder zustehen, aus. Diese sollten bis auf Weiteres angehoben werden, um alle Betroffenen zu unterstützen und die große Belastung, die auf Eltern sowie auf Beschäftigten liegt zu reduzieren. 

Kita benötigt Fachkräfte 

Besonders kritisch ist im Zusammenhang mit der Pandemie in einigen Bundesländern das Aussetzen des Fachkräfteschlüssels und damit des Fachkräftegebots zu sehen. Das Abwenden vom Fachkräftegebot wird vielfach damit begründet, dass momentan eine Abkehr von den bisher geltenden Handlungsansätzen und Zielen der frühkindlichen Bildung erforderlich ist. Zweifelsohne erfordert die Corona-Phase das Betreten von Neuland und das Ausloten von Alternativen. Das kann und darf jedoch nicht für die frühkindliche Bildung gelten. Denn gerade in dieser besonders herausfordernden Zeit ist es von großer Bedeutung, das Erlebte und die aktuelle Situation der Kinder fachpädagogisch zu begleiten. Es ist daher aus gewerkschaftlicher Sicht keine Option, frühkindliche Bildung hauptverantwortlich in die Hände von Assistenzkräften zu geben. 

Unbestritten bleibt, dass weitere unterstützende Kräfte zu allen Zeiten wichtig sind, die beispielsweise hauswirtschaftliche Tätigkeiten, darunter aktuell die Durchführung der Hygienemaßnahmen, übernehmen.

Corona: Erkenntnisse, die bleiben 

Corona hat gezeigt, dass dort, wo bereits vor der Pandemie Personalnot herrschte oder mangelhafte Rahmenbedingungen vorlagen, die Krise besonders einschneidend ist. Wie der vorgesehene Regelbetrieb sich in der Praxis gestaltet wird sich zeigen. Alle Entwicklungen werden von gewerkschaftlicher Seite intensiv begleitet. Der Schutz von Beschäftigten und Kindern steht für die komba gewerkschaft klar im Mittelpunkt jedes Handelns. Denn die Gesundheit der Beschäftigten ist und bleibt die Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Betrieb der Einrichtungen. 

Die Beschäftigten machen in diesem neuen Alltag wie immer vieles mit ihrer hohen Einsatzbereitschaft möglich und befinden sich in einem stetigen Balanceakt. Es sind die Eigenschaften der Erzieherinnen und Erzieher wie Flexibilität, Arbeitsethos und Verantwortungsbewusstsein, die das System Kita seit Jahren tragen – und dass trotz schlechter Arbeits- und Rahmenbedingungen. 

Damit es nicht zum Kollaps des Kita-Systems kommt, ist es immens wichtig, dem herrschenden Fachkräftemangel in diesem Bereich endlich effektiv entgegenzuwirken. Dies darf nach Meinung der komba gewerkschaft allerdings nicht mit einer Senkung von Standards einhergehen, sondern kann nur durch den Einsatz von Personen mit einer qualitativ guten pädagogischen Ausbildung stattfinden. Nur so wird die Qualität der Bildungsarbeit gewährleistet. 

Die vielfach beschworene und in der Gesellschaft zuletzt mehrheitlich erkannte und anerkannte Systemrelevanz der sozialen Berufe muss endlich auf Arbeitgeberseite ankommen und ein konkretes Handeln ihrerseits hervorrufen. Zum Applaus für die Leistungen während Corona müssen sich bessere Einkommensbedingungen und verbesserte Rahmenbedingungen mit echten Aufstiegs- und Qualifizierungsperspektiven für die Beschäftigten gesellen.

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