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Kita-Leitung: Was muss ich können?

Sibylle Münnich

01.07.2014 Kommentare (0)

Die Leitung einer Kita zu übernehmen ist mit vielen neuen Aufgaben verbunden. Ob man diese übernehmen kann und möchte, sollte man sich vorher ehrlich beantworten. Ein paar Tipps als Entscheidungshilfe.

„Überlegen Sie sich drei Kompetenzen, die Sie von einer Kita-Leitung erwarten!“ Diese Aufgabenstellung bekommen die Teilnehmer des Seminars „Kompetent zur Kita-Leitung“ anfangs gestellt. Seminarteilnehmerin und Erzieherin Klara überlegt. Dabei stellt sie sich ihre derzeitige Chefin vor und denkt: „Eigentlich sind es so viele Bereiche, in denen eine Kita-Leitung fit sein muss. Wenn ich an die ganze Büro-Arbeit und die vielen Krankheitsausfälle der Kollegen denke, die im letzten halben Jahr ausgeglichen werden mussten …“ Schließlich notiert sie alle Aufgabenbereiche und setzt Prioritäten, welche drei Kompetenzen sie dabei am wichtigsten findet. Ein erster Schritt in Richtung Kita-Leitung ist damit getan: Prioritäten setzen.

Was ist jetzt wichtig?

Tagtäglich muss eine Kita-Leitung Prioritäten setzen und sich immer wieder Fragen stellen wie: „Was ist jetzt für die Einrichtung wichtig? Wo besteht Handlungsbedarf? Worauf lege ich in dieser Situation wert?“

Um einen Eindruck des vielschichtigen Aufgabenfeldes der Kita-Leitung zu bekommen, sehen sich die Teilnehmer des Seminars das „Dreier-Gespann“ der Kompetenzen an und stellen sich dabei Fragen, die zu ihrer persönlichen beruflichen Entscheidungsfindung dienen.

Soziale Kompetenzen einer Kita-Leitung

Einfühlungsvermögen / Empathie: Sich in Aufgaben, Situationen und Personen einfühlen zu können, um Prioritäten zu setzen, Aufgaben erfassen und Personen (auch sich selbst) unterstützen zu können. Spezielle Leitungsqualitäten liegen hier im Wahrnehmen und Beobachten und darin, diese Beobachtungen in eine professionelle Handlungsebene umzusetzen.

Kommunikation mit den unterschiedlichsten Gesprächspartnern zieht sich durch die Arbeit der Kita-Leitung wie ein roter Faden. Kommunikationsfähigkeit bedeutet hier, in unterschiedlichen Situationen konstruktive Begegnungen zu gestalten, Entwicklungsprozesse zu unterstützen sowie Erwartungen und Ziele klar zu formulieren. Spezielle Leitungsqualitäten sind hier zum Beispiel: Aktiv zuhören, um in Situationen den Überblick zu behalten und moderierend Lösungswege zu erarbeiten.

Reflexionsfähigkeit ist die Eigenschaft sich selbst zu reflektieren, um aus Vergangenem zu lernen und sich bewusst weiterzuentwickeln. Es bedeutet auch, anderen Personen (z. B. Mitarbeitern) Fragen zu stellen, damit diese ihr vergangenes Handeln erkennen, verändern oder verbessern. Spezielle Leitungsqualitäten liegen hier beispielsweise in der Teamarbeit: Die Ressourcen und Stärken der einzelnen Mitarbeiter zu erkennen und darauf ausgerichtete Aufgabenbereiche zu schaffen, um effektiver die gemeinsamen Ziele zu erreichen.

Wer vor der Entscheidung steht, ob die Position der Kita-Leitung für einen persönlich erstrebenswert ist, sollte sich vorher folgende Fragen stellen:

  • Kann ich mir vorstellen, Mitarbeitern klare Anweisungen zu geben?
  • Bin ich bereit, mich selbst und meine Mitarbeiter regelmäßig in der Reflexion anzuleiten, um die Weiterentwicklung zu fördern?
  • Kann ich mir vorstellen, durch eine professionelle Distanz den Überblick über die gesamte Einrichtung zu behalten?

Fachliche Kompetenzen

Die fachlichen Kompetenzen ergeben sich aus den damit verbundenen Aufgabenfeldern. Gerade bei der Neu-Einstellung als Einrichtungsleitung ist die exakte Erstellung einer Stellenbeschreibung unumgänglich. Daraus lassen sich die Aufgabenfelder, die einrichtungsspezifisch definiert werden, ableiten und strukturieren. Eine Gliederung kann wie folgt aussehen und wird von der jeweiligen Aufgabenträgerin mit Inhalten konkretisiert und ausgefüllt:

Organisationsmanagement

  • Struktur und Zeitplan für administrative Tätigkeiten schaffen, um diese zu bewältigen; das Wissen um rechtliche Grundlagen überprüfen; Entwickeln eines roten Fadens für das Einrichtungsprofil.

Pädagogischer Bereich

  • Bildungs- und Erziehungskompetenzen weiterentwickeln sowie regelmäßige Fortbildungen der Mitarbeiter ermöglichen. Die Umsetzung von Pädagogik klar und machbar definieren.

Personalführung

  • Teamentwicklung durch gezielte Präsenz unterstützen sowie den individuellen Mitarbeiter wahrnehmen, leiten und fördern. Den Mitarbeitern regelmäßige Möglichkeiten zum Gespräch mit der Leitung anbieten.

Zielgruppenorientierung

  • Elternarbeit gestalten, Einbeziehen von Netzwerkpartnern sowie die Zielgruppen bei Planungsprozessen stets im Blick behalten.

Qualitätsmanagement

  • Konzeptionelle Weiterentwicklung der Einrichtung, Öffentlichkeitsarbeit, Entwicklung von Teil- und Gesamtzielen, regelmäßige Überprüfung durch Reflexion der inhaltlichen Arbeit.

Weitere Fragen für die Entscheidungsfindung:

  • Bin ich bereit die Gesamtverantwortung für eine Einrichtung zu übernehmen und innerhalb der Einrichtung stets eine hohe Präsenz zu zeigen?
  • Kann ich Prioritäten setzen und beispielsweise auch administrative Tätigkeiten an die erste Stelle setzen?
  • Kann ich mir vorstellen, für das Team und die Einrichtung klare Entscheidungen zu treffen?

Persönliche Kompetenzen

Die eigene Persönlichkeit einzubringen, bedeutet persönliche Fähigkeiten und Werte einzusetzen sowie mithilfe sozialer und fachlicher Kompetenzen einen eigenen Leitungsstil zu entwickeln. Folgende persönliche Kompetenzen sollte man dabei unter die Lupe nehmen:

Verantwortungsbewusstsein mit reflektiertem Handeln transparent zu machen. Das bedeutet Verantwortung zu zeigen, indem man sich bei Entscheidungen zum Beispiel verbal vor oder hinter das Team stellt und allen Eltern als Ansprechpartner zur Seite steht. Diese Präsenz ermöglicht es auch, den Überblick in der Einrichtung zu behalten.

Motivationsfähigkeit bedeutet den Blick auf Machbares im Alltag zu lenken, um dieses mit spürbarer Freude zu meistern und somit andere zu begeistern. Zugleich bedeutet es, durch Beobachtungen die Freude der anderen zu erkennen und diese für positive Entwicklungen aufzugreifen.

Wertevermittlung – sich immer wieder selbst zu fragen: Was ist mir wichtig? Wie kann ich diese Werte im Alltag vorleben und an andere weitergeben?

Selbstmanagement: eigene Stärken und Ressourcen nutzen, weiterentwickeln und sich selbst immer wieder ins Gleichgewicht bringen.

Fragen für die Entscheidungsfindung:

  • Bin ich bereit, die Verantwortung für die vielschichtigen Aufgaben- und Kompetenzbereiche zu übernehmen?
  • Kann ich mich für den Beruf der Kita-Leitung begeistern?
  • Kann ich meine Werte anderen vermitteln und dabei das Gesamtwohl der Einrichtung im Blick behalten?

Die Inhalte dieser Kompetenzbereiche brauchen immer wieder Training, Reflexion und Weiterentwicklung. So kann eine Kita-Leitung ihren eigenen Leitungsstil entwickeln sowie kompetent und authentisch agieren.

Die drei Kompetenzen

Kommen wir wieder zurück zum Anfang des Seminars „Kompetent zur Kita- Leitung“. Erzieherin Klara hat sich folgende drei Erwartungen überlegt, die sie als Einrichtungsleitung wichtig findet: ausreichendes Wissen für administrative Tätigkeiten zu besitzen, ein gutes Miteinander durch Kommunikation zu gestalten und eigene Werte in die Einrichtung einzubringen. Ein erster Grundstein für eine zukünftige Einrichtungsleitung ist somit gelegt.

Erstveröffentlichung unter dem Titel "Der nächste Schritt!?" in: Meine Kita – Das didacta Magazin für den Elementarbereich, Ausgabe 4/2013, Seite 40 - 42, s.a. http://www.meinekitaclub.de/

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