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Frau Müller liest vor. Freiwilliges/ehrenamtliches Engagement in Kindertagesstätten

Stefanie Beerbaum

07.07.2014 Kommentare (0)

In Deutschland gibt es laut Freiwilligensurvey 23 Millionen freiwillig/ehrenamtlich engagierte Menschen. Insbesondere bei der älteren Generation nimmt die Bereitschaft, ein Engagement auszuüben, weiter zu. Dabei engagieren sich immer mehr Menschen in ihrer Freizeit für Kinder. Sie suchen nach Möglichkeiten, sich mit ihren Ideen, ihrem Wissen und ihrer Freude an der Arbeit mit Kindern in Kindertagesstätten einzubringen.

Das Ehrenamt in Kitas hat Tradition

Das Ehrenamt hat eine lange Tradition in Kitas. Elternbeiräte, ehrenamtliche Vereinsvorstände oder Kitas, die aus Elterninitiativen heraus erwachsen sind, gehören zur Kita-Landschaft. Aber der Begriff "Ehrenamt" kommt ein wenig aus der Mode, stattdessen spricht man heute von "Engagierten" und drückt damit die persönliche Motivation der unbezahlten MitarbeiterInnen aus.

Zusätzlich zu den traditionellen ehrenamtlichen Strukturen öffnen sich immer mehr Kitas für Engagierte von außen und bieten diesen Möglichkeiten der Mitarbeit. Allein über STERNENFISCHER, das für den Bezirk Treptow-Köpenick zuständige Freiwilligenzentrum, werden aktuell für 20 Kitas im Berliner Südosten freiwillig/ehrenamtlich Engagierte gesucht, Tendenz steigend.

Das „Neue Ehrenamt“ in Kitas

Die ausgeschriebenen Einsatzfelder für externe freiwillig/ehrenamtlich Engagierte sind vielfältig und immer in Ergänzung zu den Regelangeboten aufgestellt. Engagierte für die (sporadische) Ausflugsbegleitung sind ebenso willkommen wie Engagierte mit "grünem Daumen" für die Gartenarbeit oder handwerklichem Geschick für kleinere Reparaturen. Die Kitas suchen zunehmend Engagierte, die langfristig unterstützende Hilfestellung im Bereich der pädagogischen Tätigkeit in Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen leisten möchten. Die Engagierten werden daher auch im Rahmen von AGs (zum Beispiel Tanz-AG), als Unterstützung bei kreativen Tätigkeiten oder Gesellschaftsspielen in den Kitaalltag eingebunden.

Der Boom der Leseförderung

Ein großer Engagementbereich, der in jüngster Vergangenheit boomt, ist der der Leseförderung. Zahlreiche Vereine vermitteln Lesepatinnen und Lesepaten an Schulen und Kitas. Immer mehr Kitas bieten Interessierten diese Engagementmöglichkeit eigeninitiativ an und melden den lokalen Freiwilligenagenturen ihre Bedarfe.

Ein Engagement mit Mehrwert

Durch Schaffung von Tätigkeitsfeldern für interessierte Engagierte öffnen sich Kitas weiter nach außen, hin zur Lebenswirklichkeit der Kinder. Die Kita als Lernort nutzt die Potenziale ihrer Nachbarn. Die Engagierten bringen ihr Know-how, ihre Kompetenzen in die Bildungsarbeit der Kita ein und geben wichtige Impulse für frühkindliches Lernen. Über die Einbindung externer Engagierter kommt es zu Begegnungen der Generationen, denn gerade ältere Menschen begeistern sich für ein Engagement im Kitabereich. Großstädte weisen hier einen besonderen Bedarf an generationsübergreifender, interkultureller Arbeit auf.

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Engagement kann so für Kitas von großem Nutzen sein, ist jedoch kein Selbstläufer. Die Kitaträger sind in der Verantwortung, inhaltliche und strukturelle Rahmenbedingungen für Engagement zu schaffen. Engagement braucht Anleitung und Begleitung. Vorstellungsgespräche, die Auswahl passender Engagierter, Einsatzplanung und Controlling müssen feste Bestandteile der kitaeigenen Freiwilligenkoordination sein. Engagement muss wertgeschätzt und anerkannt werden, denn die Engagierten spenden ihre private Lebenszeit. Dankesfeste, Teamtreffen, Einbindung der Engagierten in Entscheidungsprozesse, Zeit zum Austausch – all dies benötigt personelle und zeitliche Ressourcen.

Diese Ressourcen fehlen leider oft im Kitabereich. Erzieherinnen und Erzieher stehen häufig unter Druck und arbeiten an der Grenze des Machbaren, um die Betreuung der Kinder abzusichern. Die hohe Anzahl der bei STERNENFISCHER eingehenden Beschwerden von Personen, die sich in einer Kita engagieren möchten und sich im Erstkontakt nicht angemessen behandelt fühlen, spiegelt diese zum Teil prekäre Lage wieder. Oft sind es die Träger, die eine Öffnung für Engagement herbeiführen und ihre Einrichtungen bei Freiwilligenagenturen anmelden. Die Einrichtungen selbst sind jedoch so überlastet, dass eine Einbindung externer Engagierter schlichtweg nicht leistbar erscheint. Hier gilt es, zum Schutz der Kinder und der Engagierten, Aufwand und Nutzen genau abzuwägen.

Gelingt die Einbindung externer Engagierter, profitieren alle Beteiligten. Vorab sind jedoch die Träger in der Verantwortung, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schulen und die Einsätze Engagierter angemessen vorzubereiten.

Stefanie BeerbaumStefanie Beerbaum

Nähere Informationen

www.sternenfischer.org
www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/2012/05/nl09_kita_handbuch.pdf
www.ehrenamt.de

Stefanie Beerbaum, Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (FH), Betriebswirtin und Freiwilligenmanagerin (AfED). Sie leitet das Freiwilligenzentrum STERNENFISCHER in Berlin Treptow-Köpenick.

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