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Deutscher Kitaverband stellt Fragen zu Kita-Ausbau, -Finanzierung und -Qualitätsentwicklung

04.03.2021 Kommentare (0)

Stuttgart, 04.03.2021 Ist unser Kita-System reformbedürftig? Wie stellen Sie sich die Kita-Finanzierung in Zukunft vor? Wie stehen Sie zu weiterem Ausbau und Angebotsvielfalt? Wie ließe sich mehr Kita-Personal gewinnen? Was möchten Sie für die Kita-Qualitätsentwicklung tun? – „Als Landesverband Baden-Württemberg des Deutschen Kitaverbands wollten wir vor der Landtagswahl am 14. März 2021 von Kandidatinnen und Kandidaten der im Landtag aktuell vertretenen Parteien wissen, wie sie zu diesen für uns essenziellen Fragen stehen. Es ist uns ein elementares Anliegen für die nächste Legislaturperiode Ideen, Wege und Lösungen in der frühkindlichen Bildung aufzuzeigen“, erklärt Landesvorsitzender Marko Kaldewey das Ziel der Aktion. 

Der amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), die CDU-Kandidatin und derzeitige Kultusministerin Susanne Eisenmann sowie die beiden Mitglieder des Landtags Andreas Stoch und Dr. Hans-Ulrich Rülke, die für SPD und FDP antreten, beantworteten die Fragen in kurzen Video-Statements, die unter https://www.deutscher-kitaverband.de/landtagswahl-baden-wuerttemberg/ zu sehen sind. Hier die zentralen Aussagen:  

Winfried Kretschmann (Grüne) betont in seinem Statement die Bedeutung der frühkindlichen Bildung als „wichtigster Phase in der Lernbiografie“. Eine hohe Kita-Qualität sei daher unerlässlich. 2019 habe das Land dies mit dem Pakt für Bildung und Betreuung auch finanziell abgesichert. Das Land finanziere 68 Prozent der Betriebskosten für die Betreuung von unter Dreijährigen. Bei den über Dreijährigen schieße das Land Pauschalbeträge in Höhe von 500 Millionen zu, die es um weitere 25 Millionen jährlich erhöhen wolle. Elternbeiträge, meint der amtierende Ministerpräsident, gelte es nach der finanziellen Leistungsfähigkeit der Eltern zu staffeln. Zum Platzausbau sagt Kretschmann: In seiner Regierungszeit habe das Land die Platzzahlen um 60 Prozent erhöht und gleichzeitig den besten Betreuungsschüssel der gesamten Republik erreicht. In der Kindertagespflege seien die Sätze erhöht worden, um in diesem Bereich eine Alternative mit hoher Qualität zu bieten. Mit der praxisintegrierten Ausbildung (PiA) sei es Baden-Württemberg als erstem Land gelungen, die Erzieher*innenausbildung deutlich attraktiver zu machen. Das Gute-Kita-Gesetz biete jetzt weitere Möglichkeiten für die Anwerbung von Fachkräften. Mit dem Pakt für Bildung und Betreuung habe das Land ein Instrument für mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung geschaffen, für das es bis 2024 jährlich 80 Millionen Euro in die Hand nehme. Das Geld diene dazu, die Betreuungsqualität auszubauen, die Zusammenarbeit zwischen Kitas und Schulen zu intensivieren, die Kindertagespflege zu stärken, Sprachförderung und Inklusion voranzutreiben und den Orientierungsplan zu evaluieren.

Susanne Eisenmann (CDU) sagt: „In der frühkindlichen Bildung können wir uns noch mehr zutrauen.“ Seit zwei Jahren trage der Pakt für frühkindliche Bildung und Betreuung bereits zur Entwicklung des Systems bei. In Baden-Württemberg gebe es 9.000 Kindertagestätten – 40 Prozent davon in kommunaler und 60 Prozent in freier Trägerschaft. Eltern schätzten die Vielfalt der unterschiedlichen Betreuungsansätze und inhaltlichen Schwerpunkte. Eine solide Finanzierung sei Grundlage dafür. Im Moment fördere das Land die Kindertagesbetreuung mit 60 Prozent der Betriebskosten. Das gelte es zu überprüfen. An Elternbeiträgen möchte Eisenmann festhalten. Eine soziale Staffelung ist ihr dabei jedoch wichtig. In Bezug auf den Ausbau der Betreuungslandschaft kommt es Eisenmann darauf an, dass das Angebot vielfältig ist und den Bedarfen der Familien vor Ort entspricht. Für die Ausbildung von Fachkräften müsse das Land künftig zusätzliche Mittel bereitstellen. Das Modell der praxisintegrierten Ausbildung (PiA) habe sich bewährt und solle weiter ausgedehnt werden. Das Land müsse kontinuierlich weiter daran arbeiten, attraktive Rahmenbedingungen für die Arbeit in der Kindertagesbetreuung zu schaffen – auch mit Unterstützung von Trägern. „Leitungszeit“ sei dabei ein Stichwort. Für die Qualitätsentwicklung in den Kitas hält Eisenmann ausreichend Personal, bedarfsgerechte und flexible Öffnungszeiten sowie ausreichende Leitungszeiten für wichtig. In den letzten fünf Jahren sei viel erreicht worden. „Wir müssen jedoch noch mehr investieren, um die Qualität nicht nur zu halten, sondern weiter auszubauen – zum Wohle unserer Kinder“, betont sie abschließend.

Andreas Stoch (SPD) sagt, das Land müsse die Kindertagesstätten in dem Bewusstsein, dass sie wichtige Bildungseinrichtungen seien, besser finanzieren. „Wir brauchen mehr Geld und bessere Konzepte, um frühkindliche Bildung auf einen guten Weg zu bringen.“ Die Vielfalt in der Kita-Trägerlandschaft trage zur Qualität bei. Denn unterschiedliche Konzepte setzten Anreize zur Weiterentwicklung. Die Partei ist der Auffassung, dass das Bildungssystem von der gesamten Gesellschaft getragen werden sollte. Elternbeiträge möchte die SPD daher abschaffen. Land und Bund müssten den Trägern diesen Beitrag erstatten. Zu Beginn der letzten SPD-Regierungszeit (2011-2016) habe Baden-Württemberg in Bezug auf die Anzahl der Kita-Plätze im Ländervergleich ganz weit hinten gelegen. Durch Investitionen habe die SPD Plätze geschaffen und wolle das auch künftig tun. Die Menschen, die in diesem wichtigen Bereich arbeiteten, verdienten mehr Wertschätzung und eine angemessene Entlohnung. In der SPD-Regierungszeit sei es gelungen, die praxisintegrierte Erzieher*innenausbildung (PiA) einzuführen. Dadurch seien viele junge Leute – darunter auch mehr Männer – auf den Beruf aufmerksam geworden. Nun seien Modelle wichtig, um den Quereinstieg zu erleichtern und den Anteil der Beschäftigten mit akademischer Ausbildung zu erhöhen. „Wir haben das Land vom letzten Platz beim Betreuungsschlüssel auf Platz eins gebracht“, betont Stoch. Doch die Qualitätsentwicklung dürfe dabei nicht stehenbleiben. Es seien eine Enquetekommission und wissenschaftlicher Rat nötig, damit die unterschiedlichen Träger künftig vergleichbare Maßstäbe anlegen könnten. Denn Kita-Qualität sei ein zentrales Gelingenskriterium für den Bildungsstart der Kinder. 

Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP) sagt: „Das Kita-System ist reformbedürftig und in vielen Bereichen unterfinanziert.“ Es gebe zudem zu wenige Erzieher*innen. Auch die Erzieher*innen-Ausbildung gelte es anzupassen. Das koste Geld. Es sei dort jedoch gut investiert. Für private Schulen gelte das Ziel, dass mindestens 80 Prozent der Kosten vom Staat getragen würden und maximal 20 Prozent von den Eltern. Durch private Angebote steige auch im Kita-Bereich die Flexibilität und Eltern können die Erziehungsformen wählen, die sie bevorzugen – auch bei privaten Anbietern. Das müsse dann etwas kosten. Die Beiträge sollten im Kitabereich aber nicht teurer sein als im Schulwesen. Angebotsvielfalt bedeute, dass alle einen Beitrag leisteten – das Land, die kommunalen Träger und andere Beteiligte, die ein Kita-Angebot in Baden-Württemberg machten. Das Land bezuschusse dies mit 400 Millionen Euro im Jahr. Ein kleiner Anteil sei aber auch privat zu leisten. Um dem Fachkräftemangel im Kita-Bereich zu begegnen, hält Dr. Hans-Ulrich Rülke zusätzliche Qualifikationsmöglichkeiten, zum Beispiel eine Weiterqualifikation von Tagesmüttern, für sinnvoll. Außerdem müsse der Erzieher*innenberuf finanziell attraktiver werden. Durch passgenaue Zuwanderung von Personen, die im Kita-Sektor einen Beitrag leisten können, ließe sich ebenfalls Entlastung erreichen. Was die Qualitätsentwicklung angehe, könne der Kitabereich vom Schulwesen lernen. Dort gebe es zwei Landesinstitute, die die Qualitätsentwicklung in den Schulen unterstützten. Auch im Kita-Bereich sollte es künftig ein Institut geben, dessen Ziel es sei, eine Verbesserung der Qualität im frühkindlichen Bildungswesen durchzusetzen.

Quelle: Deutscher Kitaverband. Bundesverband freier unabhängiger Träger von Kindertagesstätten e.V.

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