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Ausschreibung einer Expertise zum Thema Migration

22.03.2010 Kommentare (0)

Anforderung für die Angebotsabgabe

Expertise "Migration im Kontext einer inklusiven Frühpädagogik“

(Stand: 02.03.2010)

Hintergrund und Fragestellung

„Inclusive education“ kennzeichnet einen Paradigmenwechsel in der Pädagogik, mit dem eine veränderte Sichtweise auf Heterogenität und Diversität als Normalfall und nicht als Ausnahme verbunden ist. Die traditionelle „Sonderpädagogik“ für spezielle Zielgruppen rückt damit in den Hintergrund.
Die Forderung nach Inklusion ist im Kontext kultursensibler Ansätze nicht neu. Schon in der interkulturellen Pädagogik der 1990er Jahren spiegeln sich Vorstellungen über kulturelle Unterschiede und deren Bedeutung für ein gemeinsames Aufwachsen in Vielfalt. Die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland (2009) hat die rechtliche Grundlage für die Inklusion Behinderter geschaffen und insgesamt die fachpolitische und fachwissenschaftliche Aufmerksamkeit für ein „inclusive education system“ sensibilisiert.

Für die pädagogischen Fachkräfte sind damit weitreichende Anforderungen verbunden. Sie brauchen pädagogische Konzepte, die die unterschiedlichen Voraussetzungen und Weltzugänge systematisch berücksichtigen und als Grundlage für die Gestaltung kindlicher Bildungsprozesse nutzen. Die individuelle Situation eines Kindes unter Berücksichtigung verschiedener Gruppenzugehörigkeiten wahrzunehmen, die damit verbundenen „besonderen Bedürfnisse“ der Kinder aufzugreifen und Stereotypisierungen und Stigmatisierungen in der pädagogischen Arbeit vorzubeugen, sind einige der zentralen pädagogischen Herausforderungen.

In der Altersgruppe Kinder weist jedes dritte Kind unter sechs Jahren bundesweit einen Migrationshintergrund auf. Gleichzeitig ist der prozentuale Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund nicht gleichmäßig verteilt, vielmehr lässt sich eine Ballung in bestimmten Regionen und Stadtteilen feststellen (Leu, 2007). Vor dem Hintergrund der Bevölkerungszusammensetzung ist „Migration“ für den Großteil der Fachkräfte ein Thema. Dabei sind Kinder mit Migrationshintergrund keine homogene Gruppe, sondern unterscheiden sich hinsichtlich unterschiedlicher soziokultureller Aspekte in ihrer Herkunftsfamilie wie Sprache, sozio-ökonomischer Status, Bildungsabschlüsse der Eltern, Religion, Kultur, Lebensstile, Erziehungsverhalten, Werte, Normen und vielem mehr.

Wenn die hohen Erwartungen an Kindertageseinrichtungen, die gesellschaftliche Integration von Familien mit Migrationshintergrund zu unterstützen und so einen Beitrag zur Chancengerechtigkeit zu leisten, erfüllt werden sollen, müssen Erzieher/innen auf diese Aufgabe besser vorbereitet werden als dies bisher der Fall ist. Die pädagogische Herausforderung besteht darin, die Heterogenität der Gruppe wahrzunehmen und gleichzeitig für migrationsspezifische Aspekte in konkreten Lebensbedingungen sensibilisiert zu bleiben.

Mit dem Inklusionsansatz ist die Chance verbunden, Migrationshintergrund als eine Heterogenitätsdimension unter anderen wahrzunehmen, sensibel für die Wechselwirkungen mit anderen Heterogenitätsdimensionen zu werden und kategoriale Zuschreibungen zu vermeiden. Daher soll in der Expertise das Thema Migration in den Kontext einer inklusiven Frühpädagogik in Theorie und Praxis eingebettet werden.

Leistungsumfang

Die Expertise sollte auf der Arbeit von Prof. Dr. Annedore Prengel (Expertise „Inklusion in der Frühpädagogik“) aufbauen und die dort formulierten theoretischen Grundlagen berücksichtigen (wird nach Auftragsvergabe zur Verfügung gestellt). Ergänzt um eine Literatur- und Internetrecherche in der Frühpädagogik sowie den benachbarten Disziplinen soll eine Expertise erstellt werden, die die folgenden Fragen beantwortet:

  • Welche Anforderungen ergeben sich an frühpädagogische Fachkräfte im Umgang mit Kindern mit Migrationshintergrund?
  • Wie lassen sich die Anforderungen beschreiben (z.B. Wissen, Haltung, Methoden) und wie sind sie zueinander in Beziehung zu setzen?
  • Wie können diese Anforderungen in eine inklusive Frühpädagogik, die unterschiedliche Heterogenitätsdimensionen und ihre Wechselwirkungen berücksichtigt, eingebettet werden?
  • Welche Kompetenzen benötigen die frühpädagogischen Fachkräfte für die Arbeit mit Kindern mit Migrationshintergrund?
  • Auf welchen bestehenden Konzepten kann hier aufgebaut werden?
  • Welche besondere Bedeutung kommt der Zusammenarbeit mit Eltern auf der Handlungsebene zu?
  • In welcher Hinsicht besteht Entwicklungsbedarf?

Zum Verfahren

  • Literaturrecherche
  • Aufbereitung des Standes des wissenschaftlichen und der Fachdiskussion
  • Formulierung von Empfehlungen/konzeptionellen Überlegungen

Die Expertise soll einen Umfang von ca. 40 Seiten haben und in der Zeit von Mai 2010 bis August 2010 erstellt werden. Eine 1-seitige Zusammenfassung wird mit der Expertise zusammen abgegeben. Formal entspricht die Expertise den Richtlinien zur Manuskriptgestaltung des DJI. Die Teilnahme der/des Expertisenehmer/in an der Podiumsdiskussion zu „Migration im Kontext einer inklusiven Frühpädagogik“ beim Fachforum „Von der Ausländerpädagogik zu einer inklusiven Frühpädagogik“ am 29. Juni 2010 in München ist ausdrücklich erwünscht.

Bitte richten Sie ihr Angebot (inklusive Leistungsbeschreibung, evtl. vorläufige Gliederung, Zeitplan und Kostenkalkulation (ggf. mit Mehrwertsteuer)) sowie Bindefrist bis zum 21.3. 2010 an

Anna von Behr

Deutsches Jugendinstitut e.V.
Abteilung Kinder und Kinderbetreuung
Nockherstraße 2
81541 München

Sollten Sie Rückfragen haben, können Sie sich jederzeit gerne an Anna von Behr wenden:
Tel.: +49(0)89/62306-623
Fax.:+49(0)89/62306-407
E-Mail: vonbehr@dji.de
www.weiterbildungsinitiative.de

Literatur
Bundesjugendkuratorium (2007). Die Zukunft der Städte ist multiethnisch und interkulturell. Stellungnahme des Bundesjugendkuratoriums zu Migration, Integration und Jugendhilfe. Abrufbar unter: http://www.bundesjugendkuratorium.de/pdf/2002-2005/bjk_2005_stellungnahme_migration_integration_jugendhilfe.pdf

Bundesjugendkuratorium (2008). Pluralität ist Normalität für Kinder und Jugendliche. Vernachlässigte Aspekte und problematische Verkürzungen im Integrationsdiskurs. Abrufbar unter: http://www.bundesjugendkuratorium.de/pdf/2007-2009/bjk_2008_1_stellungnahme_migration.pdf

Geißler, Rainer & Weber-Menges, Sonja (2008). Migrantenkinder im Bildungssystem: doppelt benachteiligt. In Aus Politik und Zeitgeschichte, 49/2008. Abrufbar unter:
http://www.bpb.de/publikationen/G3M7VR

Leu, Hans Rudolf (2007). Segregation – schon im Kindergarten? In DJI Bulletin 80, S. 23-24

Prengel, Annedore (2010). Inklusion in der Frühpädagogik. Unveröffentlichte Expertise für das Deutsche Jugendinstitut. München.

Rauschenbach, Thomas (2007). Kindertagesbetreuung in Deutschland – eine empirische Standortbestimmung. In DJI Bulletin 80, S. 5-10

Wagner, Petra (2006). “Warum sagt Aschenputtel denn nichts?” Soziale Ungleichheit und vorurteilsbewusste Bildung in Kindertageseinrichtungen. Abrufbar unter: http://www.kindergartenpaedagogik.de/1679.html

Wagner, Petra (Hrsg.) (2008). Handbuch Kinderwelten. Vielfalt als Chance – Grundlagen einer vorurteilsbewußten Bildung und Erziehung. Freiburg i. Br.: Herder.

Quelle: http://www.weiterbildungsinitiative.de/ueber-wiff/ausschreibungen/expertise-migration.html

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